Tag 85 (Fr., 23.03.2012): Morondava

In Morondava, einer der größten Städte an der Westküste Madagaskars, ist alles ein bisschen anders als andernorts:

 

  • Ein Albino-Mädchen springt über die Straße, Passanten winken ihr zu.
  • Die Moschee steht direkt an der Hauptstraße und überragt alle Gebäude der Stadt, auch die katholische Kirche, die in zweiter Reihe rund hundert Meter Luftlinie entfernt steht.
    [In Fianarantsoa zum Beispiel gibt es 64 Kirchen, also an etwa jeder Ecke und auf jedem Foto.]
  • Stadtbusse werden wirklich "Bus" genannt und nicht "Taxi Be". Außerdem hat jede Bus-Station eine eigene Parkbucht am Straßenrand, Schild "Arrêt Bus" inklusive.
    [In Tana stehen die Taxi Be notgedrungen in doppelter Reihe auf der vornehmlich einspurigen Straße.]
  • An (gefühlt) jedem vierten Stand entlang der Hauptstraße gibt es kleine Tütchen mit hellblauem Pulver und kleine Arzt-Flaschen mit farbloser Flüssigkeit – keine Drogen, sondern Gift gegen Ratten, Kakerlaken und andere unerwünschte Mitbewohner.
    [In Tana habe ich bislang nur einen einzigen solchen Stand gesehen.]
  • Freitag ist Spenden-Tag: Restaurants stellen Plastikwannen mit Baguette-Stücken auf den Fußweg; Frauen mit Kleinkind im Tragetuch und alte Männer ohne Zähne kommen, bitten höflich, ein Stück nehmen zu dürfen, greifen in die Kiste und stecken das Brot schnell in die Tüte unterm Arm oder in den Korb auf dem Kopf. [Statt bettelnd auf dem Fußweg zu kauern, dreht jeder Bedürftige seine Runde. Manch einer hält trotzdem den Vazahas fordernd die offene Hand hin: "C'est vendredi. – Es ist Freitag"]
    Alle anderen Geschäfte geben den Ärmsten ihrer Stadt ein paar Geldmünzen.
    [Ja, es gibt tatsächlich Münzen, sogar 1-Ariary-Münzen, das sind umgerechnet 0,04 Eurocent]