Tag 72 (Sa., 10.03.2012): Wein

Alter Wein in noch älteren Kisten: Der Soavita-Jahrgang 2011 ist leckerer.
Alter Wein in noch älteren Kisten: Der Soavita-Jahrgang 2011 ist leckerer.

"Zu diesem Weingut wollte ich meine Touristen auf keinen Fall bringen. Vor zwei Jahren war ich schon mal bei einer Verkostung hier – der Wein hat nach Essig geschmeckt. Aber das andere Weingut ein paar Kilometer entfernt hat heute geschlossen also mussten wir hierher zu Soavita kommen." Der Touristenführer macht keinen Hehl aus seinem Unmut. Bernard Thierry sitzt auf einem der 23 Fässer riesigen Weinbottiche und nimmt die spitzen Bemerkungen gelassen. Dann steigt er hinab, holt eine Flasche von 2009, entkorkt sie, schenkt ein wenig in kleine Saftgläser ein. Der Guide und seine drei israelischen Touristen nehmen einen kräftigen Schluck, ohne den Wein anzuschauen, ohne am Glas zu schnuppern, ohne den Mund mit der Kostprobe zu "spülen". Sofort schütteln sie sich: Die rote Flüssigkeit schmeckt tatsächlich nach Essig.

 

Kurz darauf kommt Bernard Thierry mit einer kleinen Karaffe wieder. "Das ist der neue Wein. Gerade letzte Woche fertig geworden." Er schenkt aus, in die benutzten Gläser. "Hm, das schmeckt doch nach Wein", sagt der Touristenführer überrascht und lächelt auf einmal. Dann lüftet Bernard Thierry das Geheimnis: Seit Jahren arbeite er für das Weingut nebenan, dort, wo nur aus Frankreich importierte Reben wachsen und wo die Arbeit weitestgehend von Maschinen erledigt wird. Seit ein paar Monaten arbeite er nun auch hier für das Weingut Soavita  – damit hier endlich wieder guter Wein entsteht. Wenn auch weiterhin mit madagassischen Reben und in reiner Handarbeit.