Tag 57 (Fr., 24.02.2012): Gold

Goldrausch am Morgen: André (rechts) mit seinem Kompagnon.
Goldrausch am Morgen: André (rechts) mit seinem Kompagnon.

Ein Goldstück so groß wie eine Linse hat André vor gut einem Monat hier gefunden. Das war sein größter Erfolg in den sieben Jahren, die er nun schon nach Gold sucht, weil die Arbeit als Landwirt nicht mehr genug Geld eingebracht hat. "Heute habe ich aber noch nichts gefunden", erzählt der 42-Jährige, "aber es ist ja auch erst um 9 Uhr; normalerweise arbeite ich von 7 bis 15 Uhr."

 

Er steigt hinab in den Fluss, das Wasser steht bis zum Bauchnabel. Mit einem Spaten sticht er in den Fluss, schippt die Erde in eine runde Holzschale, den sogenannten Sichertrog. Sein Kompagnon schwenkt den Trog, lässt Wasser über den Rand schwappen, schiebt Steine heraus, kippt schließlich Schale um Schale wieder ins Wasser. Der Fluss ist hier rotbraun wie die Erde überall. "Ich weiß, dass das nicht gut für die Natur ist", sagt André und grinst verlegen, "die Erde fließt flussabwärts, wo die Menschen sie dann mittrinken." Wenn es nur das wäre.

 

Dann lacht der Kompagnon. Er hat Gold in seinem Trog leuchten sehen. André nimmt die Schale und schwenkt sie, um die Erde heraus zu schwemmen. Übrig bleibt schwarzes Pulver mit etwas Glitzer. An einer ruhigeren Stelle am Flussrand siebt André weiter. Schließlich zeigt er stolz auf die Mitte des Trogs, dort, wo das Holz etwas tiefer ist. Ein winziger Punkt schimmert: "Gold", sagt André stolz. Wie viel der Fund wiegt, lässt sich nicht sagen, es ist wohl "verschwindend gering". Später, wenn niemand hinschaut, wird André das winzige Korn in eine kleine Glasflasche geben, in der er das goldene Pulver sammelt, um es später an Leute in Andasibe zu verkaufen. Es müsse ja niemand wissen, wie viel man schongefunden hat und wo man seinen Schatz aufbewahrt. Immerhin sind mittlerweile gut ein Dutzend weiterer Goldsucher und Goldsucherinnen zur Stelle, angelockt von der Vazaha mit Kamera und der guten Nachricht über den ersten Fund des Tages. Einige Kollegen steigen nun mit André hinab in den Fluss und suchen weiter.

 

Wie mühsam diese Arbeit ist und wie sehr sie die Natur zerstört! Einheimische dürfen in der Nähe ihres Dorfes sogar ganz legal Gold suchen. Und es bringt nun einmal gutes Geld, verrät André: Ein Gramm Goldpulver sei so groß wie eine rote Bohne und bringe etwa 90.000 Ariary ein, also rund 32 Euro, was ein recht ordentliches Monatsgehalt für den hiesigen Durchschnittsmadagassen ist. André verrät auch noch: "Um ein Gramm Gold zu finden brauche ich etwa vier Tage."