Tag 24: Fiangonana – Kirche

Las Vegas in Tana: Cathédrale Catholique.
Las Vegas in Tana: Cathédrale Catholique.

Gläubig bin ich nicht, aber daran interessiert, warum Menschen an einen oder mehrere Götter glauben und wie sie diesen Glauben leben. Also ging es letzten Sonntagmorgen in die Kirche.

 

Um kurz vor 9 Uhr komme ich an Cathédrale Catholique an – es strömen gerade Dutzende herausgeputzte Menschen aus dem imposanten Gebäude: Während man unter der Woche ständig und überall dreckige Hosen und abgelatschte Schuhe sieht, staunt man am Sonntagmorgen über den edlen Zwirn, die bunten, paillettenbesetzten oder mit Rüschen aufgeplusterten Kleider, die geputzten Schuhe, den vielen Schmuck. Sonntagsstaat eben! Ein Wort und eine Tradition, das bzw. die in Deutschland wohl ausstirbt, hier aber nach wie vor zum Leben dazu gehört.

 

Um 10 Uhr geht es los – zum Glück auf Französisch: Es wird die Gemeinschaft beschworen; auch wenn das hier eine katholische Kathedrale sei, so sei jeder willkommen, "Christen jeder Herkunft, katholisch, evangelisch, apostolisch". Von Atheisten ist nicht die Rede. Auch von Politik nicht, dabei war tags zuvor die – verhinderte – Rückkehr vom weggeputschten Präsidenten Ravalomanana das Thema Nummer 1 in Tana. Dafür singt der Chor die Hymne der Europäischen Union und den Gefangenenchor aus Verdis Oper Nabucco. Ob dahinter eine politische Botschaft stecken sollte?

 

Nach anderthalb Stunden, kurz vor Ende des Gottesdienstes, erhebt sich aus dem Schatten einer Säule am Rande des Kirchenschiffes eine Frau: Die Kapuze ihrer Jacke hat sie tief ins Gesicht gezogen, ihr Rücken ist gebeugt, die Schultern eingezogen. Ihr Rock ist grau, fleckig, zerlöchert. Niemand schaut ihr nach.