Tag 15: hazo – Baum

Einer von den rund 160 Sohisika-Bäumen, die es auf Madagaskar und nirgends sonst gibt.
Einer von den rund 160 Sohisika-Bäumen, die es auf Madagaskar und nirgends sonst gibt.

"Es ist verrückt, ich weiß: Wir schützen eine einzige Baumart irgendwo da oben im Hochland-Plateau! Eine Baumart, von der man bislang keinen medizinischen Nutzen kennt und die nicht mal besonders attraktiv ist." Chris Birkinshaw lacht. Doch dem Briten, der seit gut 15 Jahren für den US-amerikanischen Missouri Botanical Garden auf Madagaskar arbeitet, ist es ernst: "Hochland-Wälder sind eine der am stärksten gefährdeten Vegetationstypen auf Madagaskar."

 

Der wissenschaftliche Name dieser Art gleicht einem Zungenbrecher: Schizolaena tampoketsana. Der madagassische Name ist kürzer und einfacher: Sohisika, sprich: Swisska. "Auf ganz Madagaskar gibt es nur 160 Bäume von dieser Art, und hier stehen zwei Drittel davon", erzählt Chris am vergangenen Freitag während der Fahrt ins Hochplateau etwa 70 Kilometer nördlich von Tana. Während man in der Schule lernt, dass über einer bestimmten Höhe, die praktischerweise als Baum-Grenze bezeichnet wird, eben keine Bäume mehr wachsen, sieht man ganz oben auf dem Plateau auf einmal Eukalyptus-Bäume.

 

An einer Stelle biegt sich das Plateau in eine Kurve, in der Rinne talwärts taucht ein dichter, grüner Wald auf: "Wir sind da!", ruft Chris und springt aus dem Auto. Ankafobe (sprich: Ank-afo-bee) ist ein winziges Schutzgebiet, gerade einmal 30 Hektar groß. "Aber in diesem kleinen Wald schützen wir auch andere Pflanzen und sogar Tiere." Außerdem wird ein Einheimischer aus dem Nachbardorf das ganze Jahr über beschäftigt: Solofo kümmert sich darum, dass Nachbarn täglich patrouillieren, dass Jahr für Jahr der Feuerschutz-Streifen erneuert wird, dass jemand hilft, die 6000 neuen Setzlinge einzupflanzen. Weiteres Geld ist in den Bau zweier Brunnen und eines neuen Schulgebäudes geflossen – diese werden nach einem Picknick besucht und begutachtet.

 

Das alles klingt nach einem teuren Projekt, doch diese eine Baumart zu konservieren und noch mehr Gutes zu tun, koste nur 5000 Dollar pro Jahr, sagt Chris. "Für den einen ist das das Geld für einen luxuriösen Urlaub. Für mich ist es Teil meiner Philosophie: Jede Art hat seinen Wert und ist es wert, erhalten zu werden."

 

Jetzt hofft Chris, dass der Feuerschutz-Streifen hält und kein Brand das Wäldchen zerstört. Schmunzelnd gesteht er: "Dabei bedeutet der madagassische Name Ankafobe 'viel Feuer'."

Impressionen von der Exkursion nach Ankafobe mit Mitarbeitern des Missouri Botanical Garden:

Auch Ameisen haben Hunger. Lecker, wenn da beim Picknick der Wissenschaftler ein Stück Pommes zu Boden fällt...