Tag 14: mianatra – lernen

Medizin-Weiterbildung auf Madagassisch geht so: Man trommelt interessierte Doktoren zusammen, setzt sie in einen Raum, schaltet einen Laptop und einen Beamer an, loggt sich in einen geschützten Raum im World Wide Web ein – und lauscht dann dem Vortrag eines Arztes, der ganz woanders auf der Welt ist und parallel ein paar Folien zeigt. Anschließend stellt man Fragen per Chat und bekommt dann sofort eine Antwort, mündlich oder als Chat-Nachricht.


Das Ganze nennt sich RAFT, Réseau en Afrique Francophone pour la Télémédecine. Das heutige Thema war "Diabetes und Koma – Ein Fall für die Klinik". Rund 30 Ärzte hatten sich am vergangenen Donnerstag in einem der zwei Diabetes-Zentren Tanas versammelt, um den Vortrag eines Arztes aus dem Kongo zuzuhören.


Tropenkrankheiten mögen hier wichtiger erscheinen, aber auch Diabetes kann lebensgefährlich sein. "In ganz Madagaskar gibt es nur fünf, sechs, sieben Diabetologen, da ist echt gut und wichtig, wenn über RAFT auch andere Ärzte mehr über Diabetes lernen", erklärt der Klinik-Chef. Moderne Telekommunikationsmittel seien oft die einzige Chance, sich weiterzubilden oder über einzelne Sonderfälle zu sprechen. "Unsere jüngste Patientin ist gerade mal ein Jahr alt. Mittlerweile ist sie wieder zu Hause bei ihren Eltern. Via Skype können wir sie täglich nach den Blutzucker-Werten und anderen Dingen fragen. Umgekehrt können wir dann den Eltern sagen, wann sie wie viel Insulin spritzen sollen." Die Familie müsse somit nicht ständig in die Stadt kommen und spart dadurch Zeit und Geld.

 

Allerdings: Internet hat auch nicht jeder. Und: Nach der Weiterbildungsstunde wurde Schokolade ausgeteilt. Natürlich war sie nicht für Diabetiker geeignet.