Tag 12: afo – Feuer

Hier haben gestern rund 100 Menschen gewohnt - das Feuer hat nichts übrig gelassen.
Hier haben gestern rund 100 Menschen gewohnt - das Feuer hat nichts übrig gelassen.

In einem Slum Tanas: Am Kanal waschen Frauen mit dreckigem Wasser die Wäsche. Männer löten und schrauben an Autos. Kinder toben herum. Eine Frau mit einem sauberen rosa Pullover führt durch das Elend hindurch, immer weiter am Kanal entlang, weg von der Straße. Irgendwann biegt sie rechts in einen nicht einmal halben Meter breiten Schlitz zwischen zwei Buden und läuft weiter, noch tiefer hinein. Links und rechts schaut man in Wellblechhütten und notdürftig gemauerte Baracken: vollgestopft, dunkel und dreckig, aber hier und da ein Blumentopf. Nach etwa hundert Metern endet der schmale Gang abrupt an einer Häuserfassade. Links geht es weiter und nach drei Schritten ist auf einmal – nichts.

 

Ein Hof, denke ich. Doch schon in der nächsten Sekunde wird klar: Hier hat es gebrannt. Hier standen Holzhütten. Gestern noch. Nun liegen überall verkohlte Holzreste, angekokelte Kleiderfetzen, verbogene Metallstücke. Etwa 100 Leute hätten auf diesen gut 150 oder 200 Quadratmetern gelebt, 13 Familien, doch niemand sei verletzt worden, erzählt eine Frau mit einem Baby auf dem Arm. Das Feuer sei gestern Abend gegen halb neun ausgebrochen. Es war wohl ein Unfall. Die Feuerwehr sei auch gekommen, habe aber nicht bis hierher vordringen können. Gegen Mitternacht sei dann alles abgebrannt gewesen.

 

Diese Menschen hatten gestern nichts – und heute noch weniger. Niemand weint, niemand schreit. Alle sind ruhig, während es an manchen Stellen noch raucht. Jemand sagt: "Sie stehen unter Schock."