Tag 5: miantsena – einkaufen

Pistazie ist nicht gleich Pistazie.
Pistazie ist nicht gleich Pistazie.

Heute war ich bei JUMBO, einem wahrlich jumbohaft riesigen Supermarkt. Eine befreundete Koala-Dame schrieb mir passenderweise vor wenigen Tagen, dass sie zu Beginn ihrer Zeit in Down Under immer Stunden im Supermarkt verbracht hatte: um Vokabeln zu lernen und Leute zu beobachten. Tatsächlich mache ich es ähnlich, denn das, was da in den Regalen ist, sagt doch einiges über Land und Leute aus. Hier also ein kleiner Streifzug:

 

Bei Jumbo kann man zunächst einmal eine Hollywoodschaukel kaufen (für 679.000 Ariary bzw. rund 238 Euro), eine Gitarre (129.000 Ar bzw. 45 Euro) und einen Weinschrank für 16 Flaschen (385.000 Ar bzw. 135 Euro). Dann kommt man zu fünf Regalmetern mit fünf bis sieben Böden übereinander – voller Sprays und Duftspiralen gegen Moskitos und Kakerlaken. Weiter geht es zum Gang mit Reis in Fünf-Kilo-Säcken, wobei gut die Hälfte der Sorten aus Thailand importiert ist, was ich persönlich erstaunlich finde, weil Madagaskar doch selbst Reis anbaut (wenn ich es schaffe, bei einer Reisplantage anzuhalten, und dort mit jemandem sprechen kann, muss ich dem mal nachgehen).

 

Dann geht es zum Obststand: Vier Sorten Mango stehen zur Auswahl und die Bananen sind überreif, braun gefleckt und zuckersüß duftend, so, wie man sie in Deutschland eben nie zu kaufen bekommt. Daneben liegen mir unbekannte Früchte: Die eine Frucht sieht aus wie eine riesige Avocado mit braunen Stacheln; die andere wie eine kleine, feste, schrumpelige Limette. Auf den Schildern steht "Corossol" und "Combava". Eine kurze Recherche ergibt: Corossol ist eine Stachelannone (was wahrscheinlich nur Köche und Botaniker verstehen) und Combava ist eine Kaffernlimette mit wenig Saft und vielen Kernen (wobei ich keine Ahnung habe, wie man die isst oder wozu, aber als Deko im Hotelzimmer machen sich die zwei gekauften Combava schon mal ganz gut).

 

Schließlich das Schokoladen-Regal! Madagassische Schokolade soll lecker sein, ein Paradies für Schokoladen-Junkies wie mich, schrieb mir ein Wissenschaftler aus den USA, der seit geraumer Zeit in Madagaskar forscht und den ich bald besuchen werde. Für den Anfang habe ich es bei einer Tafel belassen – für einen Vorrat ist es im Hotelzimmer mit Ventilator statt Klimaanlage zu warm. Es gibt übrigens auch Schokoladiges aus Deutschland, allerdings zu gar nicht süßen Preisen: Eine Mini-Packung mit drei Rocher-Kugeln kostet 41.500 Ar (15 Euro), Nutella im 350-Gramm-Glas 13.900 Ar (5 Euro) und ein 110 Gramm schwerer Weihnachtsmann von Kinder 21.900 Ar (8 Euro).

 

Dafür musste ich noch schmunzeln, als ich einen Beutel mit Erdnüssen fand und der Zettel darauf Pistazien ankündigt. Zumal zwei Meter weiter ein Beutel mit "echten" Pistazien samt Schale im Regal liegt. Ein Herr bemerkt meine Verwunderung und erklärt mir dann mit ernster Miene, dass das wirklich Pistazien in der kleinen Tüte sind – sie seien nur von ihrer Haut befreit und gekocht worden. Wir diskutieren ein wenig, während ich die beiden Beutel in den Händen halte. Wir erörtern die Wörter für Pistazie und Erdnuss in Deutsch, Englisch und Französisch. Schließlich frage ich, ob diese "gekochten" Pistazien ursprünglich einzeln oder doppelt in ihrer Hülle vorkommen. "Immer zwei zusammen", sagt er und verabschiedet sich – mit einem Blick, der sagt: Pistazien eben.